Rollstuhl Ratgeber

Elektrorollstuhl – Ratgeber

Mit einem Elektrorollstuhl legen Sie dank des elektrischen Antriebs problemlos größere Strecken und Steigungen zurück. Außerdem lässt er sich auch steuern, wenn Ihre Beweglichkeit und/oder Kraft stark eingeschränkt sind. Hier erfahren Sie, wie ein Elektrorollstuhl funktioniert, wie viel er kostet und wann ihn die Versicherung bezahlt. Außerdem geben wir Ihnen wichtige Tipps für die Auswahl eines elektrisch betriebenen Rollstuhls.

Lesezeit: 9 Minuten

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Rollstuhl Ratgeber

Elektrorollstuhl – Ratgeber

Mit einem Elektrorollstuhl legen Sie dank des elektrischen Antriebs problemlos größere Strecken und Steigungen zurück. Außerdem lässt er sich auch steuern, wenn Ihre Beweglichkeit und/oder Kraft stark eingeschränkt sind. Hier erfahren Sie, wie ein Elektrorollstuhl funktioniert, wie viel er kostet und wann ihn die Versicherung bezahlt. Außerdem geben wir Ihnen wichtige Tipps für die Auswahl eines elektrisch betriebenen Rollstuhls.

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In aller Kürze:

  • Elektrorollstühle eignen sich besonders für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit und Kraft sowie für das Zurücklegen größerer Strecken.
  • So, wie es verschiedene Arten von Elektrorollstühlen gibt, unterscheiden sich die Art der Steuerung und die verwendeten Batterien. Idealerweise ist das Gesamtpaket möglichst gut auf Ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt. Nehmen Sie sich Zeit für das Probefahren.
  • Wenn die medizinische Notwendigkeit nachgewiesen ist, zahlen Krankenkassen einen Elektrorollstuhl. Dafür brauchen Sie ein ärztliches Rezept.
  • Besondere Anforderungen gelten für das Fahren mit elektrisch betriebenen Rollstühlen im Freien. Eine spezielle Versicherung brauchen Sie aber nur bei Elektrorollstühlen, die schneller als 6 km/h sind.

Welche Vorteile hat ein Elektrorollstuhl?

Ein Elektrorollstuhl bietet sich vor allem in zwei Situationen an:

  • Ihre Arme beziehungsweise Hände sind in Kraft und/oder Beweglichkeit so weit eingeschränkt, dass Sie Schwierigkeiten haben, einen manuellen Rollstuhl zu bedienen.
  • Sie wollen mit Ihrem Rollstuhl größere Strecken im Freien zurücklegen, zum Beispiel zum Einkaufen oder ins Theater.


Aus zweiterem Grund entscheiden sich oft Menschen für einen Elektrorollstuhl oder einen elektrischen Zusatzantrieb, die auch ein manuelles Modell bedienen könnten. Allerdings müssen sie dann zumindest Teile der Kosten für den Rollstuhl selbst tragen. Auf diesen Punkt kommen wir noch zurück.

Welche Arten von Elektrorollstühlen gibt es?

Elektrorollstühle unterscheidet man danach, wo sie gefahren werden und wie sie aufgebaut sind:

  • Elektrorollstühle für drinnen: Personen, die sich überwiegend in geschlossenen Räumen bewegen und die auf Unterstützung durch einen elektrischen Antrieb angewiesen sind, brauchen einen Elektrorollstuhl für drinnen. Dieser sollte kompakt und wendig sein sowie wenig Platz wegnehmen. Eine große Reichweite ist dagegen nicht nötig.
  • Elektrorollstühle für draußen: Elektrorollstühle für draußen sind robust, haben große Antriebsräder, leistungsstarke Batterien, Beleuchtung und Rückspiegel. Im Außenbereich entscheiden sich manche auch für Rollstühle, die schneller als 6 km/h sind, oder gleich ein Elektromobil.
  • Elektrorollstühle für den Innen- und Außenbereich: Einige Elektrorollstühle können beides, drinnen und draußen. Sie sind ein Kompromiss zwischen Wendigkeit und Outdoor-Tauglichkeit.
  • Elektrorollstühle mit Stehfunktion: Ein Rollstuhl mit Stehfunktion kommt für Personen infrage, die regelmäßig ein Stehtraining durchführen sollten. Der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen funktioniert wie der Antrieb elektrisch.
     

Kein Rollstuhl im eigentlichen Sinn ist ein Elektromobil bzw. Scooter. Die kleinen Wagen unterstützen Menschen mit eingeschränkter Gehfähigkeit dabei, größere Strecken zurückzulegen. Sie können 3 oder 4 Räder haben. Manche Modelle lassen sich sogar mit einem Anhänger kombinieren.

Voraussetzung, um Scooter fahren zu können, ist, dass sich beide Arme einsetzen lassen. Auch müssen Fahrer eines Elektromobils in der Lage sein, selbstständig ein- und auszusteigen.

Wie funktioniert ein Elektrorollstuhl?

Alle Elektrorollstühle fahren elektrisch mit einem Akku. So viel zu den Gemeinsamkeiten. Davon abgesehen gibt es viele Unterschiede, auf die wir im Folgenden eingehen.

  • Wie wird ein Elektrorollstuhl angebtrieben?

    Bei Elektrorollstühlen unterscheidet man drei Antriebe: Heckantrieb, Mittelradantrieb und Frontantrieb.

    Heckantrieb

    Mittelradantrieb

    Frontantrieb

    Die klassische Form des Antriebs ist sehr gut für das Fahren im Außenbereich geeignet und äußerst spurstabil. Allerdings sind Rollstühle mit Heckantrieb nicht so wendig wie solche mit Mittelradantrieb.

    Der große Vorteil eines Elektrorollstuhls mit Mittelradantrieb besteht darin, dass sich dieser auf der Stelle drehen kann. Das macht ihn auch für das Manövrieren an engen Stellen geeignet.

    Mit einem Frontantrieb überwinden Sie auch höhere Bürgersteigkanten problemlos. Dafür sind diese Rollstühle weniger spurstabil.

    Zusatzantrieb für manuelle Rollstühle

    Eine Alternative zu Elektrorollstühlen für draußen stellen elektrische Zusatzantriebe dar. Sie lassen sich an herkömmlichen manuellen Rollstühlen befestigen. Je nach Antrieb unterstützen sie Sie beispielsweise bei längeren Strecken und Steigungen. Gleichzeitig können Sie Ihren Rollstuhl weiter manuell bedienen und so Ihre körperliche Leistungsfähigkeit erhalten.

  • Wie funktioniert die Steuerung?

    Meist steuern Sie einen Elektrorollstuhl mit einem Joystick, der an einem Bedienfeld angebracht ist. Dieser Joystick kann unterschiedlich gestaltet sein. Manche Varianten funktionieren mit minimaler Kraft. Entscheidend ist, dass die Steuerung auf der richtigen Seite montiert ist, je nachdem, ob Sie Links- oder Rechtshänder sind. Die meisten Elektrorollstühle ermöglichen eine beidseitige Montage.

    Die Steuerung selbst ist einfach: Der Rollstuhl bewegt sich in die Richtung, in die Sie den Joystick schieben beziehungsweise ziehen – nach vorne, nach hinten, rechts oder links.

    Zusätzlich existieren alternative Steuerungsarten für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit, die einen normalen Joystick schwer oder gar nicht verwenden können. Beispiele dafür sind die:

    • Kinnsteuerung
    • Mundsteuerung
    • Kopfsteuerung
    • Fußsteuerung
    • Augensteuerung

    Mit einer Umfeldsteuerung bedienen Sie nicht nur Ihren Rollstuhl, sondern auch Antriebe von Türen oder Fenstern, Fernseher, Telefone, schaltbare Steckdosen und vieles mehr. Auch hier ist die Auswahl an Systemen groß.

  • Wie lädt man den Elektrorollstuhl?

    Elektrorollstühle funktionieren mit einem Akku, der von Zeit zu Zeit geladen werden muss. Aber keine Sorge, dafür müssen Sie Ihr Haus oder Ihre Garage nicht umbauen. Eine normale Haushaltssteckdose mit 230 Volt reicht vollkommen aus.

    Beachten Sie jedoch bei der Anschaffung eines Elektrorollstuhls die Unterschiede zwischen verschiedenen Batterien.

    Dabei unterscheidet man folgende Gruppen:

    • AGM
    • Gel-Bleibatterien
    • Lithiumbatterien

    Welche Arten von Batterien besser sind, darüber gehen die Meinungen auseinander. Lithiumbatterien stellen die neuesten Akkus für Rollstühle dar. Sie haben den Vorteil, dass sie länger halten sowie leichter und kleiner sind als AGM- oder Gel-Bleibatterien. Außerdem kommen sie ohne Schwermetalle aus. Davon profitiert die Umwelt.

    Wie oft Sie die Batterien Ihres Rollstuhls laden sollten, hängt von der Art der Batterien ab, aber auch davon, wie intensiv Sie den Rollstuhl verwenden. Manche Anbieter empfehlen, den Rollstuhl jede Nacht anzustecken. So passiert es Ihnen nicht, dass das Gefährt auf dem Weg zum Supermarkt stehen bleibt. Allerdings kommt es auch auf die Art der Batterie an, wann diese geladen werden sollte.

    Information

    Elektrorollstühle für draußen beziehungsweise für draußen und drinnen haben oft eine Reichweite von bis zu 40 Kilometern.Diese schwankt aber je nachdem, ob Sie schwere Einkäufe transportieren oder Steigungen bewältigen müssen. Auch das Wetter und das eigene Körpergewicht beeinflussen, wie lange Ihr Akku hält.

  • Wie viel wiegt ein elektrischer Rollstuhl?

    Elektrorollstühle sind in aller Regel sperriger und schwerer als manuelle Modelle. Mit sämtlichem Zubehör bringen sie es schon einmal auf über 100 Kilogramm. Allerdings gibt es auch Leichtgewichte als Ausnahmen von der Regel. Faltbare Elektrorollstühle wiegen nur etwa 20 Kilogramm. Das erleichtert die Handhabung enorm.

    Faltbare Elektrorollstühle lassen sich  durch ihre kompakten Abmessungen auch problemlos auf Reisen mitnehmen. Den Akku nehmen Sie einfach heraus, bevor Sie den Rollstuhl im Kofferraum verstauen. Ideal für Menschen, die viel und gerne unterwegs sind.

  • Wie breit ist ein elektrischer Rollstuhl?

    Das hängt von der Person ab, die ihn nutzt. In der Regel werden auf jeder Seite 2 cm zur Gesäßbreite hinzugegeben. Die Sitztiefe wird anhand der Oberschenkellänge berechnet.

  • Wie schnell ist ein elektrischer Rollstuhl?

    Der Standard bei Elektrorollstühlen ist eine maximale Geschwindigkeit von 6 km/h. Das hört sich nach wenig an, fühlt sich aber flott an, wenn Sie das erste Mal in einem solchen Rollstuhl unterwegs sind.

    Fahren Sie gerne schneller, bekommen Sie Elektrorollstühle mit einer Geschwindigkeit von

    • 10 km/h
    • 15 km/h (dabei handelt es sich jedoch meistens um Elektromobile)

    Beachten Sie aber folgende Einschränkungen:

    • In vielen Fällen zahlen Krankenkassen nur Elektrorollstühle mit einer Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h. Ist Ihnen das zu wenig, müssen Sie zumindest die preisliche Differenz selbst bezahlen.
    • Bis zu einer Geschwindigkeit von 6 km/h ist Ihr Rollstuhl in der Privathaftpflicht mitversichert. Schnellere Gefährte müssen Sie gesondert versichern lassen.
    • Rollstühle, die schneller als 10 km/h sind, dürfen erst von Personen ab 15 Jahren gefahren werden. Einen Führerschein brauchen Sie bis 15 km/h nicht.

    Zusammenfassung

    6 km/h ist der Standard bei Elektrorollstühlen. Schneller geht auch, ist allerdings mit mehr Aufwand und höheren Kosten verbunden. Überlegen Sie sich gründlich, ob es Ihnen das wert ist und ob Sie die höhere Geschwindigkeit überhaupt nutzen können.

Tipp: Achten Sie bei der Auswahl Ihres Rollstuhls darauf, dass alle Elemente zusammenpassen: Ihre persönlichen Bedürfnisse, der Rollstuhl und die Art der Steuerung. Lassen Sie sich gründlich beraten.

Einstellmöglichkeiten und Zusatzausstattungen

Nicht nur beim Antrieb, auch bei der Ausstattung haben Sie die Wahl, zum Beispiel zwischen verschiedenen Sitzen, Rückenlehnen und Beinstützen. Rollstühle, die Sie im Freien verwenden, brauchen eine gute Dämpfung. Ebenfalls erhältlich sind Handyhalterungen, Therapietische, Schlupfsäcke und vieles mehr. Lassen Sie sich am besten beraten, was in Ihrem Fall Sinn macht.

Tipp: Elektrische Verstellmöglichkeiten beziehen ihren Strom aus der Batterie Ihres Elektrorollstuhls. Das kann dazu führen, dass die Reichweite sinkt.

Wie viel kostet ein elektrischer Rollstuhl?

Elektrische Rollstühle sind teurer als Modelle, die manuell angetrieben werden. Wie teuer genau, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • dem Nutzungsbereich (innen, außen oder beides)
  • der Ausstattung
  • dem Gewicht
  • Bedienung und eventuellen Zusatzfunktionen

Wichtig ist: Beziehen Sie Zusatzkosten in Ihre Rechnung mit ein. Dazu gehören Stromkosten sowie Kosten für Wartung und Reparaturen. Sonderausstattungen können den Preis in die Höhe treiben.

Die gute Nachricht ist: In der Regel müssen Sie die Anschaffungskosten für einen Elektrorollstuhl nicht selbst bezahlen, sondern bekommen diese von Ihrer Krankenkasse erstattet.

Wann wird ein elektrischer Rollstuhl bezahlt?

Elektrorollstühle sind Hilfsmittel und werden von der Krankenkasse bezahlt. Das heißt, Sie zahlen im Idealfall nicht mehr als die Zuzahlung in Höhe von maximal 10 Euro.

Allerdings gelten dafür einige Voraussetzungen:

  • Rezept: Damit Ihr Elektrorollstuhl von der Krankenkasse bezahlt wird, brauchen Sie eine Verordnung beziehungsweise ein Rezept vom Arzt. Darin führt der Arzt aus, warum Sie einen Elektrorollstuhl brauchen und welche Art von Elektrorollstuhl Sie benötigen. Je genauer diese Ausführungen sind, desto besser.
  • Ärztliche Bescheinigung: Zusätzlich muss Ihnen ein Arzt bescheinigen, dass Sie in der Lage sind, einen Elektrorollstuhl zu fahren.
  • Kostenvoranschlag: Suchen Sie mithilfe von Beratung einen passenden Rollstuhl für sich in einem Fachgeschäft. Fahren Sie diesen unbedingt Probe, um nicht später eine unangenehme Überraschung zu erleben. Die Hilfsmittelnummer des Modells notiert der Arzt auf dem Rezept, bevor er es einreicht.

Bewilligt die Krankenkasse den Rollstuhl, ist wieder ein Sanitätshaus am Zug. Dabei handelt es sich in aller Regel um Vertragspartner der jeweiligen Krankenkasse. Abgesehen von der oben erwähnten Zuzahlung kommen keine Kosten auf Sie zu.

Es gibt auch Fälle, in denen die Krankenkasse ihre Bewilligung verweigert. Dann prüft meist der medizinische Dienst die Notwendigkeit eines Elektrorollstuhls.

Knifflig wird es, wenn Ihre Wünsche über das medizinisch notwendige Maß hinausgehen. Eine Option in dieser Situation ist eine Mischfinanzierung: Die Krankenkasse zahlt den Standard und Sie die Differenz zum eigentlichen Kaufpreis.

Zusammenfassung

In der Regel zahlen Krankenkassen einen Elektrorollstuhl. Wichtigste Voraussetzung dafür ist ein Rezept, in dem ein Arzt die Notwendigkeit genau darlegt. Für nicht medizinisch notwendige Sonderausstattungen kommen Sie selbst auf.

Braucht man einen Führerschein für einen Elektrorollstuhl?

Für Elektrorollstühle, die maximal 15 km/h fahren, brauchen Sie keinen Führerschein. Beachten Sie aber, dass Sie auf Gehwegen Schrittgeschwindigkeit fahren müssen.

Braucht man eine spezielle Versicherung?

Standardrollstühle, die nicht schneller als 6 km/h sind, brauchen weder ein Kennzeichen noch eine spezielle Versicherung. Schließen Sie aber in jedem Fall eine Hausratversicherung und eine Haftpflichtversicherung ab.

Wenn Ihr Elektrorollstuhl schneller als 6 km/h fahren kann, benötigen Sie ein Versicherungskennzeichen und eine Moped-Versicherung.

Worauf kommt es an, wenn man mit einem Elektrorollstuhl draußen fahren will?

Wenn Sie Ihren Elektrorollstuhl im Freien verwenden möchten, sollten Sie einige Dinge beachten. Das beginnt bei der Auswahl des richtigen Modells. Zum Beispiel müssen Elektrorollstühle für draußen eine geeignete Dämpfung sowie eine hohe Reichweite aufweisen.

Fazit – elektrisch hat Vorteile

Elektrorollstühle können einen wichtigen Beitrag zu mehr Unabhängigkeit, Bewegungsfreiheit und Lebensfreude leisten. Allein durch die größere Reichweite bringen Sie viele Vorteile mit. Deshalb entscheiden sich auch Menschen für sie, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, diesen aber manuell steuern könnten.

Wichtig ist, wie bei herkömmlichen Rollstühlen, dass das Modell möglichst gut zu Ihren persönlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen passt. Überlegen Sie sich vorher genau, wo Sie den Rollstuhl fahren wollen und welche Wünsche Sie an ihn haben. Lassen Sie sich professionell beraten und testen Sie verschiedene Modelle. Wenn Sie sich Zeit nehmen, werden Sie Ihre Entscheidung nicht bereuen.

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