Von der Waschmaschine zur Rehatechnik

Von der Waschmaschine zur Rehatechnik | 12. Juli 2011 | von RE

Die Ulrich Alber GmbH feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Das Unternehmen ist spezialisiert auf medizintechnische Produkte für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehbehinderung und beschäftigt mittlerweile etwa 200 Mitarbeiter. Vor 25 Jahren begann alles mit einer Sackkarre.

Im Jahr 1985 hieß das Unternehmen noch Haas & Alber Haustechnik und Apparatebau GmbH und widmete sich neben dem Kerngeschäft Elektro- und Sanitärinstallation dem wachsenden Geschäftsbereich Transport- und Rehatechnik. Weil das Ausliefern von schweren und unhandlichen Elektrogeräten immer zwei Personen erforderte, ließ sich Ulrich Alber etwas einfallen: Er entwickelte eine motorbetriebene Sackkarre, die von einer Person bedient werden konnte und somit Personalkosten sparte. Bereits im Jahr 1982 meldete er die „Sackkarre mit Treppensteigvorrichtung“ zum Patent an und ging in Produktion. Dass Ulrich Alber damit den Grundstein für das scalamobil gelegt hatte, konnte er damals noch nicht erahnen.

1986: Aufbruch in die Rehabilitationstechnik
Auf Messen wurde Alber immer wieder darauf angesprochen, ob der Lasten-Treppensteiger auch für Rollstühle geeignet sei. Als schließlich ein Kunde einen Stuhl an der Sackkarre befestigte, um damit ein Familienmitglied über Treppen zu befördern, war für Alber klar, dass eine anwendungsgerechtere Lösung gefunden werden musste. So entwickelte er im Jahr 1986 eine Treppensteigvorrichtung, mit integrierter Sitzeinheit, ein komfortables Steigverhalten hatte – und sicher war. Ein Jahr später ließ er sich die „Treppensteigvorrichtung bspw. für Rollstühle für Gehunfähige“ patentieren. Mit der Auslieferung des ersten scalamobil im Mai 1988 hielt auch der Erfolg Einzug bei dem kleinen Unternehmen, das schnell von fünf auf neun Mitarbeiter aufstocken konnte. Das scalamobil entwickelte sich zum Verkaufsschlager und bald kamen neue Kundenwünsche auf: eine Kombination aus scalamobil und Elektro-Rollstuhl. Für die damalige Zeit war dies keine leichte Aufgabe, denn die Elektro-Rollstühle waren sehr schwer und wegen der Batterieanordnung nicht für das scalamobil geeignet. Also entwickelte Alber einen Elektro-Zusatzantrieb für manuelle Rollstühle, der mit dem scalamobil kombiniert werden konnten, um Treppen zu überwinden. Dafür wurden Motor, Getriebe, Kupplung und Bremse komplett in die Radnaben integriert. Der e-fix war geboren und mit ihm ein neues Produktsegment in der Rehabilitationstechnik. Was heute als Neuheit bei Elektro-Fahrzeugen gilt, war 1990 schon im e-fix eingebaut: die bürstenlosen Gleichstrommotoren. Sie sind wartungsfrei, die Permanentmagneten garantieren einen sehr hohen Wirkungsgrad und beim Bremsen wird Energie zurückgewonnen. Die Hersteller von Elektro-Rollstühlen nahmen damals den Zusatzantrieb zunächst nicht ernst, doch schnell wurden die Vorteile gegenüber dem Elektro-Rollstuhl im Markt bekannt: wendiges Fahrverhalten, weniger Gesamtgewicht des Rollstuhls, kein Umsitzen vom E-Rolli in den manuellen Rollstuhl – kurzum: mehr Unabhängigkeit und Mobilität für Menschen mit Behinderung.

Umfirmierung in Ulrich Alber GmbH und neue Eigentümer
Der neue Geschäftsbereich Rehatechnik entwickelte sich so gut, dass mittlerweile 40 Mitarbeiter beschäftigt werden konnten und ein Umsatz von 15 Millionen Euro erzielt wurde. Ende 1991 firmierte Haas & Alber zur neuen Gesellschaft Ulrich Alber GmbH um und bezog 1993 ein größeres Gebäude mit 4.500 m2 Nutzfläche, wo scalamobil und e-fix produziert wurden.
1995 entschloss sich die Familie Alber wegen der zunehmenden Konzentration der Märkte und den unsicheren sozialpolitischen Tendenzen, das Unternehmen an die TA Triumph-Adler AG zu veräußern. So wurde aus dem Familienbetrieb ein managementgeführtes Unternehmen, ohne die mittelständisch geprägten Strukturen aufzugeben.

Neue Produkte und noch mehr Service und Design
Alber nahm 1996 die Schiebe- und Bremshilfe viamobil V10 in ihr Produktportfolio mit auf. Dank eines intelligenten Federsystems bremst das Hilfsmittel auch bergab zuverlässig und sorgt für mehr Sicherheit. Nicht nur Sicherheit, sondern auch Service wurde schon damals bei Alber großgeschrieben: Im gleichen Jahr wurde das Alber Service Center eingeführt, mit dem seither die Instandsetzung kaputter Teile innerhalb von 48 Stunden garantiert wird. Durch den modularen Aufbau der Hilfsmittel kann im Komponententausch-Pool schnell das passende Ersatzteil gefunden werden und rasch dem Fachhandelspartner zum Austausch geschickt werden.
Ansprechendes Design spielte zunehmend eine größere Rolle bei Kaufentscheidungen. Daher arbeitete Alber ab Ende 1997 mit Industriedesignern zusammen und entwickelte mit ihnen gemeinsam das scalamobil S25, für das 1999 der renommierte IF-Design Award und 2000 der „Bundespreis Produktdesign“ gewonnen werden konnte.
Die Investmentgesellschaft Warburg Pincus übernahm 1998 Alber, Aquatec und Dolomite von Triumph-Adler und die Domus Homecare AG wurde neue Dachgesellschaft. Zum Verkaufszeitpunkt erzielte Alber einen jährlichen Umsatz von 36,4 Millionen Euro und beschäftigte 110 Mitarbeiter.

Neues Gebäude und neue Dachgesellschaft
Im Jahr 2000 stellte Alber den kraftverstärkenden Zusatzantrieb e-motion vor. Dieses neuartige Antriebssystem konnte die Lücke zwischen einem Elektro-Rollstuhl und einem manuellen Rollstuhl schließen und wurde schnell wichtiger Baustein in der Mobilitätsversorgung von Rollstuhlfahrern. Alber erhielt europaweit Auszeichnungen für das fortschrittliche Konzept.
Das 1993 bezogene Gebäude wurde für die inzwischen 170 Mitarbeiter und die Produktion zu klein. Alber zog im Jahr 2003 in ein modernes 8.000 m2 Gebäude am Rande des Industriegebietes Lichtenbol in Albstadt.
Die Invacare Corporation kaufte die Domus-Gruppe auf und Alber gehört seitdem zum größten Anbieter von Rehabilitationstechnik und Homecare-Produkten. Der europäische Auslandsvertrieb von Alber Produkten wird von Invacare übernommen. Alber ist und bleibt aber bei der Entwicklung, bei Einkauf und Marketing völlig eigenständig.

Produktneuheiten prägen das neue Jahrtausend
2003 entwickelt Alber das neue scalamobil S30 mit integrierter IQ-Funktion und präsentiert den neuen Elektro-Rollstuhl ADVENTURE der Öffentlichkeit. Mittlerweile hat das Unternehmen 190 Mitarbeiter, die in Albstadt innovative Medizinprodukte entwickeln, fertigen und vertreiben. 2006 wird die neue Schiebe- und Bremshilfe viamobil eco mit patentiertem ErgoDrive auf den Markt gebracht. Ein Jahr später wird der neue Zusatzantrieb Quix präsentiert, seine einzigartige Lenkersteuerung macht ihn äußerst wendig und spielend einfach zu bedienen. Das Zeitalter der neuen Energiespeicher bricht 2008 bei Alber an: Der e-motion M15 mit moderner Lithium-Ionen-Akkutechnologie wird vorgestellt. Mit etwa 2,5-fach längerer Lebensdauer und mehr als doppelter Reichweite bei sehr geringem Gewicht bietet die neue Technologie interessante Perspektiven und bringt Alber den Focus Green Gold Design Award ein. Im Jahr 2010 werden die Treppensteigerfamilie scalamobil S35 und scalacombi S34 eingeführt.
Nach einem Vierteljahrhundert Firmengeschichte ist das Innovationspotenzial des Unternehmens größer denn je. Neue Antriebskonzepte, innovative Batterietechnologien und ein unerschöpflich erscheinender Ideenpool werden auch künftig dafür sorgen, dass mit dem Namen Alber Fortschritt in Sachen Mobilität verbunden wird.

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